Ein Lichtblick für Senioren

Wir helfen mit: Der Altenhilfeverein finanziert Angebote für Senioren in der Stadt. Während der Corona-Pandemie macht er den alten Menschen mit Aktionen Mut

Von Claudia Rindt

Konstanz – Bratäpfel, Apfelschnitze oder Kompott. Was die Konstanzer Heime mit der jüngsten Gabe des Altenhilfevereins Konstanz anfangen, bleibt ihrer Kochkunst überlassen. Sie bekommen jedenfalls 35 Kisten mit jeweils 20 Kilogramm Äpfel aus der Region und einen Sack voller Nüsse, um Senioren aufzumuntern. Der Altenhilfeverein knüpft damit an die fünf Mutmacher-Aktionen an, die er seit der Pandemie mit dem Coronavirus ins Leben gerufen hatte. Seine Botschaft an die alten Menschen, die zeitweise in Quarantäne auf ihren Zimmern leben mussten und nur eingeschränkt Besuch empfangen durften: Ihr seid nicht vergessen. In jeder Kiste steckt ein Gruß des Altenhilfevereins für die Heime und deren Bewohner. Es heißt dort neben einem Apfel, der als Ständer für eine brennende Kerze dient: „Der Zauber der Hoffnung kennt unendlich viele Lichter, die sich nicht einfach löschen lassen.“

Ohne Spenden würde es diese Aktionen und die langfristigen Projekte nicht geben. Dazu gehören die Mal- und Musiktherapie für Senioren, die beiden Plätze für Bewegung für alle Generationen im Paradies und in Wollmatingen sowie den Zuschuss für den Aufbau einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz am Rande der Altstadt. Neben den Mutmacher-Aktionen arbeitet die Organisation daran, eine Kneippanlage am See zu eröffnen. Denn die Vorsitzende des Altenhilfevereins, Luise Mitsch, ist überzeugt: „Bewegung ist die beste Medizin“ gegen das Alter und die alterstypischen Gebrechen.

Die Einsamkeit, das weiß Luise Mitsch auch, gehört zu den größten Problemen in den Senioreneinrichtungen. Die Corona-Pandemie wirke da wie ein „Brandbeschleuniger“. Der Altenhilfeverein versuche den alten Menschen nun Mut zu machen, sie zum Durchhalten zu motivieren. Seit der Pandemie organisierte er unter anderem die Verteilung von Blumen, Erdbeeren und jetzt zum Nikolaus eben Äpfel sowie Nüsse an die Senioren. Die Hälfte des einheimischen Obsts hat der Obsthof Romer gespendet. Der Altenhilfeverein musste noch 650 Euro aus Spenden zahlen. Die laufenden Projekte des Altenhilfevereins, die ebenfalls aus Spenden finanzierten Angebote der Mal- und Musiktherapie, wurden wegen der Corona-Krise zeitweise ausgesetzt. Zudem seien viele Gemeinschaftsaktionen, die Ehrenamtliche mit den Senioren geplant hatten, wegen des Infektionsrisikos gestrichen worden, berichtet Luise Mitsch. Alte Menschen mit Vorerkrankungen gehören zu denen, die besonders gefährdet sind, sollten sie sich mit dem Coronavirus anstecken.

Christel Röhrig, die fürs Margarete-Blarer-Haus kocht, weiß wie bitter es für alte Menschen ist, wenn sie nicht einmal gemeinsam essen dürfen. Das Haus, in dem sie arbeitet, war und ist von Corona betroffen. Zeitweise hätten die Bewohner auf dem eigenen Zimmer essen müssen. Die Nahrung sei wichtig fürs Wohlbefinden der alten Menschen und die Erinnerungen an früher, weiß die Frau. Auf dem Speiseplan stehe meistens, was die Senioren kennen und schätzen, so etwa einheimische Äpfel.

Dies unterstreicht auch Susanne Gau, Mitarbeiterin auf dem Obsthof Romer in Litzelstetten. „Wir freuen uns, dass wir die Aktion mit regionalem, heimischen Obst unterstützen können.“ Sie führt weiter aus: Es handle sich fast ausschließlich um ältere Apfelsorten wie Elstar, Berlepsch oder Rubinette, die in die Kisten für die Seniorenheime gepackt wurden. Die älteren Menschen könnten sich an den Geschmack erinnern, und damit an die Erlebnisse, die sie hatten, als sie noch viel jünger waren. Der Obsthof in Litzelstetten gehört dem Verbund „Gutes vom See“ an. Er bietet Früchte aus eigenem Anbau und ist seit über 100 Jahren auf dem Wochenmarkt in Konstanz vertreten. In früheren Zeiten sei die Ware mit dem Handkarren in die Stadt gezogen worden, heißt es in einer Informationsbroschüre des Obsthofes. Er wirtschaftet heute nach den Regeln des integrierten Anbaus. Dieser sieht den Einsatz von Chemie nur in Notfällen vor.

Der Altenhilfeverein in Konstanz hat auch schon mit mehreren größeren Investitionen die Erweiterung der Infrastruktur in der Stadt für alte Menschen voran gebracht. Aus einer Erbschaft ließ er der Spitalstiftung Konstanz rund 650.000 Euro für den Aufbau einer neuen Wohngemeinschaft für Demenzkranke in der Altstadt zukommen. Zuletzt hatte er 50.000 Euro investiert, um in Wollmatingen nahe dem Schwaketenbad einen neuen Fitnessparcours zu eröffnen, mit Trainingsgeräten für alle Altersstufen. Auch mehrere 3000-Schritte-Pfade hatte der Altenhilfeverein schon angelegt, und für Bewohner von Seniorenheimen die Beschaffung kippsicherer Fahrräder mit jeweils zwei Sitzen unterstützt.

Susanne Gau vom Obsthof Romer (links) und Luise Mitsch vom Altenhilfeverein Konstanz wollen mit Äpfeln und Nüssen Senioren, die in Heimen leben, Mut machen. Ihr Nikolausgruß soll die alten Menschen aufmuntern, die seit Beginn der Coronavirus-Pandemie unter zeitweiser Quarantäne und Besuchs-Einschränkungen leiden. Bild: Claudia Rindt

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