Zwei treue Seelen an der Seite von Senioren

Therese Dörfflinger (links) und Irmgard von Raszweski sind seit jeweils 25 Jahren für Konstanzer Senioren im Einsatz. Sie gehören zum Team der Haushaltshelfer, die der Altenhilfeverein vermittelt. Therese Dörfflinger hält ein Album mit Erinnerungsfotos von den betreuten Senioren in der Hand. Bild und Texte: Claudia Rindt

Sie blicken mit Freude auf einen besonderen Dienst. Jeweils 25 Jahre lang haben sie im Auftrag des Altenhilfevereins Senioren im Haushalt unterstützt

In einem Album ist der Gruß von 1995 festgehalten: „Liebe Frau Therese, für so viel liebevolle Zuwendung und Hilfe wie Sie uns in unserer misslichen Lage haben zuteil werden lassen, gibt es keinen Vers in der deutschen Literatur. Deshalb danken wir Ihnen dafür herzlich in Prosa.“ Das Ehepaar, welches das geschrieben hat, gehörte zu den vielen Menschen, für die Therese Dörfflinger im Auftrag des Altenhilfevereins als Haushaltshilfe im Einsatz war. Wie Irmgard von Raszewski unterstützt sie seit 25 Jahren Senioren bei Alltagsangelegenheiten. Beide Frauen blicken mit Freude auf die Zeit, in der sie für alternde Menschen in der Stadt tätig waren.

„Es hat Spaß gemacht“, sagt Irmgard von Raszewski. Sie ist 77 Jahre alt, und noch immer aktiv dabei. Dörfflinger ist 79 Jahre alt, und hat jetzt ihre Einsätze beendet. Die Tradition aber, bei einem Ehepaar, dem sie besonders lange beigestanden hatte, immer wieder eine Kerze am Grab zu entzünden, werde sie beibehalten. Beide Helferinnen sind vielen Senioren in den letzten Jahren ihres Lebens beigestanden. Beide sind gegen eine Aufwandspauschale im Einsatz, um Senioren im Haushalt, bei Behörden- und Botengängen, bei Einkäufen, oder in der Freizeit zu unterstützen. Wie die Hilfen genau aussehen, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Irmgard von Raszewski beispielsweise begleitet einen Senior, auch nachdem er in ein Pflegeheim gekommen war. Sie besuche ihn, sie rede mit ihm, unterstütze ihn beim Essen, gestalte den Kaffee mit ihm, und gehe mit ihm ins Freie. Beide Frauen sagen: Man benötige Ruhe, Diplomatie und eine Portion Liebe zum Menschen, um sich die Freude am Dienst zu bewahren. Beide berichten von liebevollen und manchmal auch nervigen Begegnungen.

Ein früherer Professor in Allmannsdorf sei besonders zuvorkommend gewesen, erinnert sich Irmgard von Raszewski. Er habe immer versucht, ihr so viel wie möglich abzunehmen. „Er hat mir sogar den Staubsauger hinter getragen.“ Ein anderer habe immer auf absolute Pünktlichkeit bestanden. „Man braucht schon gute Nerven“, sagt Therese Dörfflinger rückblickend. Die Frau, die von sich selbst berichtet, sie sei immer als besonders ordnungsliebend und fleißig in der Schule gelobt worden, wunderte manchmal, wie penibel Mitbürger sein können. „Ich bin ja auch pingelig, aber nicht so übertrieben.“ Manche hätten ganz genaue Vorstellungen gehabt, wie die Hilfe im Haushalt aussehen sollte. „Die wollten das 100 Prozent so wie sie es selbst gemacht haben.“ Einmal sei sie in die Offensive gegangen, und habe gefragt, ob sie denn überhaupt etwas recht machen könne. Das habe geholfen. Mit der Zeit habe sich eine gute Vertrauensbasis entwickelt – wie zu den meisten Senioren, die sie betreute. Sie sei auch schon mal mitten in der Nacht zu einem, weil dieser über Herzprobleme geklagt habe. Sie habe ihn dann in die Klinik begleitet, wo er bleiben musste. Sie habe ihn dann jeden zweiten Tag besucht, drei Wochen lang, und sich in dieser Zeit darum gekümmert, dass er alles bekam, was er im Klinikum benötigte. Irmgard von Raszewski erinnert sich wie sie bei einem Senior oft die Kontakte zur Tochter herstellte, die nicht vor Ort lebte. Bis heute kümmere sie sich ums Grab des früheren Betreuten.

Beide Helferinnen waren vor Jahrzehnten aus anderen Regionen nach Konstanz gekommen, Dörfflinger aus Südtirol und von Raszweski aus Niederbayern. „Mir war mein Dorf zu eng“, sagt Dörfflinger. Raszewski hatte der Beruf nach Konstanz geführt. Für beide ist Konstanz zur Heimat geworden, und die Arbeit beim Altenhilfeverein zum wichtigen Baustein im Leben.

 

Der Altenhilfeverein setzt sich vielfältig für Senioren in der Stadt ein. Unter anderem schafft er Angebote, die Senioren helfen, körperlich und geistig fit zu bleiben. Er baut aus Spendengeldern Bewegungsparks in der Stadt auf, und fördert für Heimbewohner musische Angebote. Damit Senioren möglichst lange in den eigenen Vierwänden bleiben können, unterhält der Altenhilfeverein ein Netz an Haushaltshelfern. Er hat sein Büro an der Obere Laube 38. Sprechzeiten sind montags von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 12 bis 16 Uhr. Telefon: (07531) 69 16 68. Spendenkonto: IBAN: DE65 6905 0001 0000 7937 78; BIC: SOLADES1KNZ. (rin)

 

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